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Was sind Stammzellen allgemein?
Stammzellen sind einfach ausgedrückt Zellen, die "neutral" sind und sich noch in andere Zellentypen verwandeln können. Muss es schließlich geben - wie sollte sonst aus einer Zygote ein kompletter Mensch mit Nervenzellen, Knochengewebe, Haaren und so weiter entstehen? Und so wird auch klar, warum Stammzellen für die Forschung so wertvoll sind: theoretisch könnte man so ja neue Organe im Labor züchten, was normalen Spenderorganen natürlich vorzuziehen wäre - es bestünde kein Abstoßungsrisiko und die Ersatzorgane wären noch "wie neu", also nicht durch ungesunde Lebensweisen geschädigt. Stammzellen teilen sich asymmetrisch (wie genau, ist noch nicht geklärt). Bei ihrer Teilung können erneut Stammzellen sowie andere Zelltypen entstehen.
Welche Typen von Stammzellen gibt es?
Man kann verschiedene Einteilungen vornehmen, nach ontogenetischem Alter (dh. nach dem Entwicklungsstadium) oder ihrer Potenz (Toti-, Pluri- und Multipotenz), aber da man meistens nur von adulten, embryonalen und induzierten Stammzellen spricht, behalte ich die Einteilung mal bei:
Embryonale Stammzellen
Dieser Zelltyp hat das Potential, sich in sehr viele andere Zelltypen zu entwickeln (-> pluripotente Zellen). Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt also sehr interessant, allerdings wirft die Forschung an embryonalen Stammzellen ethische Fragen auf, da sich nach Entnahme der Zellen kein Leben mehr entwickeln kann. Ist es also in Ordnung, Eizellen gezielt zu befruchten, um sie dann für die Forschung zu benutzen? Oder ist es zumindest vertretbar, übriggebliebene Zygoten aus künstlichen Befruchtungen weiterzuverwenden, da man diese sonst so oder so abtöten würde? Der kirchliche Standpunkt dazu ist klar formuliert: das ist nicht in Ordnung. Hier stellt sich wieder die Frage, wann menschliches Leben anfängt - bei der Befruchtung, bei der Einnistung der Eizelle in die Plazenta, im dritten Schwangerschaftsmonat?
Adulte (somatische) Stammzellen
Solche Zellen befinden sich im Körper eines jeden erwachsenen Menschen, zum Beispiel im Knochenmark. Sie sind nicht mehr in der Lage, sich in alle Arten von anderen Zellen zu verwandeln (->multipotente Zellen), sondern sind spezialisiert. Für die Forschung sind sie auch deshalb so interessant, weil die Forschung an ihnen keine ethischen Fragen aufwirft, da schließlich kein potenzielles Leben zerstört werden muss. Adulte Stammzellen können unter Narkose entnommen und aufbewahrt werden. Außerdem wird oft empfohlen, das Nabelschnurblut eines Neugeborenen aufzubewahren, da sich dort auch Stammzellen befinden.
Induzierte pluripotente Zellen
Natürlich wäre es wünschenswert, ließen sich pluripotente Zellen auch anders gewinnen als aus Embryonen. Tatsächlich berichteten Forscher 2007 im Magazin „Science“, dass es ihnen gelungen sei, normale Körperzellen eines Erwachsenen in IPS umzuwandeln Dafür müssen die Zellen durch vier spezielle Gene reprogrammiert werden, die durch Viren eingeschleust werden. Leider sind zwei dieser verwendeten Gene krebserzeugend, sodass die IPS vorerst noch nicht medizinisch verwendet werden können.
Wie sieht die Rechtslage aus?
Deutschland: es herrscht das Embryonenschutzgesetz: es dürfen keine Zygoten für die Forschung hergestellt oder geklont, aber vor Mai 2007 produzierte dürfen importiert werden (Stichtagsregelung). USA: Präsident Obama hat der Stammzellenforschung vor einigen Tagen grünes Licht gegeben – fast alles ist erlaubt. Österreich und Großbritannien: die Forschung und das therapeutische Klonen sind uneingeschränkt erlaubt. Schweiz: falls das Spenderpaar einwilligt, dürfen überzählige Zygoten zur Forschung verwendet werden. Das Klonen menschlicher Zellen ist verboten.
Das klingt ja alles wunderbar – wo ist der Haken?
Die Stammzellenforschung ist in der Tat sehr vielversprechend und vielleicht wird man tatsächlich eines Tages Organe im Labor züchten können, aber bis dahin wird es noch einige Jahre dauern, weil die Forschung einfach noch nicht so weit ist. Vor einigen Wochen sorgte der Fall eines isrealischen Jungens für Aufruhr, dessen Eltern eingewilligt hatten, Stammzellen in sein Rückenmark injizieren zu lassen, um seine chronische Krankheit zu lindern und ihm ein längeres Leben zu ermöglichen. Unglücklicherweise entwickelten sich die Stammzellen nicht nur in den gewünschten Gewebetyp, sondern bildeten im Gehirn auch einen Tumor so wie einige Knochen- und Nervenzellen aus.
Was sagt die Kirche dazu?
Der Vatikan übt natürlich harte Kritik, jüngst gegen Obamas Entscheidungen, die er als „Sieg der Politik über die Moral“ betitelte. Viele Geistliche betrachten ein Leben schon ab der befruchteten Eizelle als schützenswert, und das gezielte Herstellen und Klonen von menschlichen Embryonen wird selbstredend auch verurteilt, passt es doch wenig zum biblischen Menschenbild.
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